Vertragsunterzeichnung bei HIGHEST: Nach dem Abschluss des IP4Shares-Vertrags zwischen der TU Darmstadt und CeraSleeve® (v.l.n.r.) Sacha Buytaert, Gründungsberater HIGHEST; Susanne Gürich, Leiterin IP-Services, TU Darmstadt; Augustin Coreth, CEO CeraSleeve®; Dr. Nicole Rath, CTO CeraSleeve®; Dr. Mathias Stanzel, COO CeraSleeve®; Gudrun Lantelme, Head of Start-up Management, HIGHEST. (Bild: Henriette Kollera/HIGHEST)
Das Chemie-Start-up CeraSleeve® der TU Darmstadt hat mit der Universität einen IP4Shares-Vertrag abgeschlossen. Die Schutzrechte für seine Papierbeschichtungstechnologie gehen damit auf das Unternehmen über.
„CeraSleeve ist eines der Deep-Tech Projekte, die an der TU Darmstadt entstehen und die mit ihrer Innovation Veränderung auf verschiedene Weise möglich machen und einen Impact erzeugen. Gestartet mit einer Erfindungsmeldung im Jahr 2018 über diverse Förderprogramme und Entwicklungen haben wir das Team begleitet“, sagt Susanne Gürich, Leiterin der IP-Services im Referat Forschungstransfer. Sie ist auf Seiten der TU verantwortlich für den Vertragsabschluss. „Wir freuen uns sehr, dass sie nun mit der übertragenen IP (Intellectual Property) voll durchstarten können und wir mit dem gewählten ‚IP for virtuell Shares‘-Modell gründungsfreundliche Konditionen bieten können und gleichzeitig später am Erfolg des Unternehmens partizipieren. Ich wünsche CeraSleeve gutes Gelingen und viel Erfolg!“
Das Gründerteam fasst zusammen, was der Schritt bedeutet:
„Mit dem Abschluss des IP-Transfers schaffen wir die Voraussetzung für das, worauf es jetzt ankommt: Skalierung, Partnerschaften, Impact. Die TU Darmstadt hat hier gezeigt, wie gründerfreundlicher Wissenstransfer in der Praxis aussieht.“
Die Technologie: Papier ohne Plastik
Einwegbecher, Hygienepapier, Lebensmittelverpackungen: Viele dieser Produkte sind nassfest oder wasserabweisend, landen aber nicht im Altpapier. Beschichtungen aus Kunststoff oder synthetischen Harzen verhindern, dass das Material sortenrein getrennt und recycelt werden kann. CeraSleeve® löst dieses Problem. Eine hauchdünne Silicaschicht, vereinfacht gesagt Sand, macht Papier wasserabweisend und nassfest, ohne Plastik oder fossile Rohstoffe. Damit ausgestattete Papierprodukte lassen sich vollständig recyceln.
Hinter der Technologie stehen drei Gründerinnen und Gründer. Dr. Nicole Rath, promovierte Chemikerin und CTO, und Dr. Mathias Stanzel, Chemiker und COO, haben das Beschichtungsverfahren gemeinsam an der TU Darmstadt entwickelt. Stanzel ist ausgewiesener Experte für Sol-Gel-Chemie, die Grundlage der Technologie. Augustin Coreth, Betriebswirtschaftler und CEO, verantwortet Strategie, Vertrieb und Marketing. HIGHEST hat das Team von der ersten Erfindungsmeldung im Jahr 2018 über den Pioneer Fund und den TU-Ideenwettbewerb bis zum EXIST-Forschungstransferprogramm des Bundes begleitet, das dem Team über 1,13 Millionen Euro Förderung einbrachte.
Das Modell IP4Shares
Bisher mussten Start-ups universitäre Schutzrechte kaufen oder lizenzieren. Das kostete Geld, das junge Unternehmen in der Aufbauphase kaum aufbringen können. Das Modell IP4Shares der TU Darmstadt und HIGHEST geht einen anderen Weg. Die TU überträgt ihre Patente an das Start-up. Im Gegenzug erhält sie virtuelle Unternehmensanteile. Eine Zahlung wird nicht sofort fällig. Bestimmte Ereignisse, etwa ein Unternehmensverkauf, lösen sie aus. So können Gründerinnen und Gründer die verfügbaren Mittel von Beginn an in den Unternehmensaufbau stecken. Die TU Darmstadt partizipiert später am Erfolg. Bislang folgten acht TUDa-Start-ups diesem Modell.