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31. August 2026

Mit dem Rad zum Erfinder

Der HIGHEST Community-Event bei Riese&Müller.

HIGHEST Commuity Event Fahrradgruppe Foto Cheri
HIGHEST Club Abend im August 2026

Der HIGHEST Club traf sich zur Sommer-Edition bei Riese & Müller in Mühltal. Firmengründer Heiko Müller war Gastgeber, zwei Start-ups erhielten das SPIN OFF!-Label der TU Darmstadt.

Über 60 Bewerbungen für den neuen Company Builder, ein Gründungsveteran, der vor Investoren warnt, und zwei neue Träger des TU-Spin-off-Labels: Der HIGHEST Club traf sich am Donnerstagabend zu seiner Sommer-Edition bei Riese & Müller in Mühltal. Gastgeber war Heiko Müller, der das Unternehmen 1993 mitgegründet hat. Rund 50 Gäste folgten der Einladung. HIGHEST-Geschäftsführer Harald Holzer sprach auf dem Podium mit Inflabi-Mitgründer Maximilian Klyk über dessen Gründerreise. Zwei weitere Teams pitchten ihre Start-ups: Aron Eiermann mit der Protein-Suchmaschine P2P Bio, Christopher Helmke mit dem humanoiden Roboter von Anyscrew GmbH / Pink Robotics. Beide erhielten am Ende das SPIN OFF!-Label der TU Darmstadt.

Die ersten Räder sammeln sich um halb fünf am Hochschul- und Medienzentrum auf dem Campus Lichtwiese. Ein halbes Dutzend Gäste hat sich zur gemeinsamen Fahrt nach Mühltal verabredet, mitten unter ihnen Maximilian Klyk, der Inflabi-Gründer, der am Abend selbst auf dem Podium sitzen wird. Nach einer knappen Stunde erreichen sie das Werksgelände von Riese & Müller. Wer nicht in die Pedale getreten ist, kommt mit dem Auto. Am Ende des Abends stehen rund 50 Gäste auf dem Campus zusammen.

Der Hausherr öffnet die Tore

Es ist Heiko Müller, der als Erster das Wort ergreift, auf dem Gelände des Unternehmens, das er 1993 gemeinsam mit seinem Studienfreund Markus Riese aufgebaut hat. Kennengelernt hatten sich die beiden im Maschinenbau-Studium an der TU Darmstadt. Ihr erstes gemeinsames Produkt war das Birdy, ein vollgefedertes Faltrad, das noch im Gründungsjahr den Hessischen Innovationspreis gewann. 2012 dann der entscheidende Schritt: Riese & Müller stellte die Produktion vollständig auf E-Bikes um und wurde mit dieser Konzentration zum Premiumhersteller der Branche.

Genau diese Konzentration gibt Müller an diesem Abend als Rat weiter. Wer ein Unternehmen aufbaue, solle sich auf eine Sache fokussieren, statt sich zu verzetteln, sagt er. Vor allem aber rät er zu einer Haltung, die in der Gründerszene selten geworden ist: Investoren nach Möglichkeit meiden, lieber einen Kredit aufnehmen und aus eigener Kraft wachsen, statt früh auf einen Exit zu schielen, wie es viele Wagniskapitalgeber empfehlen. Er und Riese seien ohne einen einzigen Investor ausgekommen und damit gut gefahren.

Mit dem Fahrrrad zum Erfinder – fuhren einige Teilnehmede vom Campus Lichtwiese aus. Foto: Cherilyn Hehl.

Der Erfinder: Heiko Müller, Gründer von Riese & Müller.

Neues von HIGHEST

HIGHEST-Geschäftsführer Harald Holzer nutzt die Begrüßung für eine kurze Bilanz: Das Land Hessen will Darmstadt als Standort für Deep-Tech-Gründungen stärken, die TU Darmstadt hat ihre Regeln für Ausgründungen überarbeitet – Erfindungen und Patente zählen künftig als eigene Leistung der Universität, und Beschäftigte können sich für eine Gründung beurlauben lassen.

Mit sichtlichem Stolz nennt Holzer eine Zahl: Mehr als 60 Teams haben sich für die neue Runde des Company Builder beworben. Das gemeinsame Förderprogramm von HIGHEST und FUTURY begleitet wissenschaftsbasierte Deep-Tech-Teams sechs Monate lang mit Kapital, Mentoring und Kontakten zu Investoren. Am Ende soll aus der Idee ein Unternehmen stehen, das Geldgeber überzeugt. FUTURY ist keine gewöhnliche Gründerschmiede, sondern eine der zehn vom Bund anerkannten Start-up-Factories, getragen von vier Hochschulen, darunter die TU Darmstadt selbst, mit einem eigenen Kapitalarm, der bereits 80 Millionen Euro an Fördermitteln mobilisiert hat.

Ein Gespräch auf dem Podium

Der Impuls des Abends kommt in Gesprächsform. Auf dem Podium befragt Harald Holzer den Inflabi-Mitgründer Maximilian Klyk zu dessen bisheriger Gründerreise. Klyk und sein Team entwickeln einen aufblasbaren Fahrradhelm, der sich zusammengefaltet verstauen und in Sekunden aufpumpen lässt. Seit der Gründung 2023 hat Inflabi mehrere Förderstationen durchlaufen: zuerst das Hessen Ideen-Stipendium, dann die EXIST-Förderung des Bundes, zuletzt die erste Runde des Company Builders von HIGHEST und FUTURY.

Klyks wichtigste Lehre aus dieser Zeit lässt sich auf ein Wort verdichten: Timing. Heute, sagt er, würde er beispielsweise nicht mehr so früh mit einem unfertigen Produkt an die Öffentlichkeit gehen und auch andere Schritte zu passenderen Zeitpunkten umsetzen. Der Helm steckt derzeit in der Zertifizierung, der Markteintritt ist nah.

Zwei Pitches, ein Gütesiegel

Danach gehört die Bühne zwei weiteren Gründern. Aron Eiermann stellt P2P Bio vor, das er gemeinsam mit dem Biotechnologen Johannes Kabisch gegründet hat: Ihre Plattform axíōma durchsucht Milliarden bekannter Proteine und hilft Forschenden, passende Enzyme in Minuten statt Monaten zu finden.

Christopher Helmke pitcht im Anschluss den humanoiden Roboter P0 seines Start-ups Anyscrew GmbH, das unter der Marke Pink Robotics auftritt: 1,75 Meter groß, 82 Kilogramm schwer, mit 32 beweglichen Gelenken. Seine These ist groß: Humanoide Roboter werden die deutsche Wirtschaft so verändern, wie es einst das Automobil getan hat.

Für beide Gründer endet der Abend mit dem SPIN OFF!-Label der TU Darmstadt, der Auszeichnung für Unternehmen mit echtem Wissenschaftsbezug und bestandenem Auswahlverfahren.

Am Puls der Wissenschaft

Was bei einem HIGHEST-Club-Abend zählt, zeigt sich nicht nur auf der Bühne. Ein Gewinn sind die echten, neuen Kontakte danach, im Gespräch zwischen Gründerinnen, Gründern und den Unternehmerinnen und Unternehmern der Region. Wer als Kunde, Partner oder Investor auf eine Ausgründung aus der TU Darmstadt trifft, tut das oft, bevor sie öffentlich bekannt ist. Genau das ist das Versprechen des HIGHEST Club: früher Zugang zu Ausgründungen aus der Wissenschaft, am Puls der Gründerszene.

Autorin: Heike Jüngst

Was ist der HIGHEST Club?

Der HIGHEST Club ist das Netzwerk von HIGHEST, dem Innovations- und Gründungszentrum der TU Darmstadt. Er bringt Unternehmen der Region direkt mit Gründerinnen, Gründern und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Umfeld der TU zusammen.

Mitglied werden können Unternehmen, die Forschung und Innovation aus Darmstadt fördern und früh mit den Köpfen dahinter in Kontakt kommen möchten. Der Grundgedanke: Wirtschaft und Wissenschaft profitieren am meisten, wenn sie sich nicht erst auf Konferenzen, sondern schon beim Sommerabend auf dem Campus begegnen.

 

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