Success Story

22. Oktober 2026

Zu Energie-Investitionen ermutigen

Schwankende Strompreise, unklare Fördervorgaben, wechselnde Regulierungen: Viele Unternehmen schrecken aktuell aus Unsicherheit vor Investitionen im Energiebereich zurück. Das Start-up Zenules liefert die Daten, um Investitionen zukunftssicher zu ermöglichen.

Zenules berechnet die Zukunft

Schwankende Strompreise, unklare Fördervorgaben, wechselnde Regulierungen: Viele Unternehmen schrecken aktuell aus Unsicherheit vor Investitionen im Energiebereich zurück. Das Start-up Zenules liefert die Daten, um Investitionen zukunftssicher zu ermöglichen.

Die Gründer von Zenules: Thomas Schmitt (rechts) und Jens Engel (links). © Roland Duss

Die beiden Gründer verfügen über den notwendigen wissenschaftlichen Hintergrund: Thomas Schmitt promovierte im Bereich Regelungsmethoden und intelligente Systeme an der TU Darmstadta (TUDa) über Energie-Managementsysteme und forschte anschließend am Honda Research Institute (HRI). Zunächst war Jens Engel bei ihm Masterstudent, wechselte dann ebenfalls ans HRI und promovierte parallel an der TUDa. „Wir haben gemeinsam geforscht und gleichzeitig versucht, Dinge in die Praxis zu umzusetzen“, so Schmitt. „Wir wollten unsere Kompetenzen, die wir in der Forschung erworben hatten, in die Anwendung bringen – und so entstand die Idee zu gründen“.

Sie wandten sich an HIGHEST und bewarben sich mit deren Hilfe für ein EXIST-Gründerstipendium. „HIGHEST hat uns von Anfang an begleitet“, sagt Engel. „Das Netzwerk hat uns sehr geholfen“. Die Zusage des Stipendiums passte perfekt in den Plan: Beide hatten zum Oktober 2025 ihre Arbeitsverträge gekündigt, um sich in die Selbständigkeit zu stürzen.

Unsicherheit im Energiebereich

Während ihrer Promotionen hatten sie Algorithmen zur Regelung von Energiesystemen entwickelt – diese wollten sie ursprünglich verkaufen. Schnell merkten sie jedoch, dass die Idee am Markt nicht ankam: „Die Unternehmen optimieren das lieber selbst, auch wenn wir das besser könnten“, musste Schmitt festellen. In Gesprächen auf Energie-Messen hörten sie dann schnell ein verwandtes Problem heraus: die Unsicherheit, welche Investitionen im Energie- und Umweltbereich zukunftsfähig und lohnenswert sind. „Wechselnde Regularien, schwankende Strompreise, unklare CO2-Preise und Vorgaben der Bundesnetzagentur sowie Kriege halten die Unternehmen davon ab, Entscheidungen zu treffen“, so Engel. So beschlossen die beiden Regelungstechniker, eine Methode zu entwickeln, um Firmen bei solchen Entscheidungen zu helfen.

Angesichts steigender Energiekosten sei den meisten Unternehmen bewusst, dass sie in ihr Energiesystem investieren müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch welche Technologien sind sinnvoll,  wie viel sollte investiert werden und von welchen Marktpreisen und politischen Entscheidungen wie der CO₂-Bepreisung und Netzentgelten ist das abhängig?

Digitaler Zwilling des Energiesystems

„Zenules“ nannten die Gründer ihr Start-up: eine Mischung aus dem asiatisch geprägten „Zen“ und dem europäischen Kämpfer gegen diverse Ängste, Herkules. „Wenn ein Mittelständler investieren will, rechnen wir aus, was beispielsweise in den Bereichen Photovoltaik, Wärmepumpe, Speicher, Fuhrpark und Netzanschluss unter verschiedenen Zukunftsszenarien sinnvoll ist“, erklärt Schmitt. Sie stellen die gesamte Bandbreite möglicher Investitionen dar und berechnen mithilfe ihrer Algorithmen die möglichen Einsparungen.  So ermitteln sie eine untere Grenze für eine robuste Investitionsentscheidung anhand aller denkbaren Szenarien.

Das Logo mit den zwei Sprechblasen spiegelt den Beratungsaustausch mit den Kunden wider.transparent: Crashkurs Maschinen-Software der QiTech Automation. Bild: QiTech

Grundlage ist ein detailliertes Modell des jeweiligen firmeneigenen Energiesystems, mit allen relevanten Komponenten, Lastgängen und Messdaten. Mit diesem „digitalen Zwilling“ als präzise Datengrundlage modelliert Zenules mögliche Investitionen und deren Kosten.

Digitaler Zwilling aus einem Pilotprojekt. Zenules bildet nicht nur den elektrischen Teil des Energiesystems ab, sondern alle Energieträger. So kann auch die Sektorenkopplung berücksichtigt und optimiert werden, zum Beispiel über eine Wärmepumpe.

Für alle Parameter wie Strompreise, Netzentgelte, CO₂-Bepreisung und Förderungen berechnet Zenules datenbasierte Zukunftsszenarien, jeweils eigener Eintrittswahrscheinlichkeit, die als Gesamtbild dargestellt werden. So können sie die vollständige Bandbreite möglicher Entwicklungen robust darstellen und die Rentabilität von Investitionen optimieren. Dazu evaluiert Zensules, welche Wirtschaftlichkeitskennzahlen sich unter den verschiedenen Entwicklungen ergeben. Die entsprechende Verteilung zeigt auf einen Blick, mit welcher Sicherheit welches Ergebnis eintritt.

Für ein Pilotprojekt – ein Kieswerk – ermittelte Zenules beispielsweise die ideale Mischung aus Photovoltaik, Speicherausbau und LKw-Ladeinfrastruktur. „Der angedachte Netzausbau zum Ein- und Ausspeichern rechnete sich in diesem Fall beispielsweise nicht“, so Schmitt. Für die anderen Bausteine ermittelten sie die optimalen Größen, die nach allen Wahrscheinlichkeiten einen baldigen Gewinn ermöglichen. So lohnt sich für diese Firma etwa das LKw-Laden über eine intelligente Steuerung. „Aber wir sagen auch ehrlich, was sich nicht rechnet“, betont Engel.

 

Eine einfache Darstellung des zu erwartenden Cashflows eines Projekts. Zenules stellt als Besonderheit zusätzlich die Unsicherheit als Bandbreite dar.

Die beiden Energiemanager zeigen die übersichtliche und leicht verständliche Grafik für ein Pilotprojekt. „Unsere Darstellung ist so einfach wie möglich“, betont Schmitt. „Aber es besteht auch immer die Möglichkeit, tief in die Details hineinzuschauen – die Kunden können die relevanten Faktoren variieren, um unterschiedliche Konstellationen zu bewerten“.

Diese Dienstleistung wollen die Gründer künftig breiter anbieten sowohl für Endkunden als auch für Firmen, die PV-, Speicher- oder Ladesysteme verkaufen. Als weitere Interessenten haben sich Banken herauskristallisiert, die so Kreditanfragen im Energiebereich auf Solidität prüfen können.

Aktuell wirbt Zenules auf Netzwerkveranstaltungen und Messen für seine Idee. Über zwei Akzeleratoren und ein EU-Innovationsprojekt sind sie gut vernetzt. Derzeit sammeln sie Feedback, um das Produkt ideal an den Markt anzupassen. Engel ist für die technische Entwicklung zuständig, Schmitt für Vertrieb und Marketing. Erste Partnerfirmen zur Umsetzung profitieren bereits davon.

Das EXIST-Gründerstipendium finanziert sie, einen Werkstudenten und ihr Büro noch bis Ende September 2026. Aus Pilotprojekten haben sie bereits Umsätze generiert, von denen sie nun zehren können. Konkurrenz gibt es durchaus, doch Schmitt ist überzeugt: „Unsere Algorithmen sind besser!“ Engel ergänzt: „Und wir haben einen anderen Ansatz, mit dem wir Entscheidungen in ihrer ganzen Bandbreite erleichtern.“

Investments ermöglichen

Die Selbständigkeit sehen die beiden Gründer in ihren Dreißigern zwar zwiespältig, mit hohem Arbeitseinsatz, aber auch viel persönlichem Gewinn. „Wer einmal sein eigener Chef war, wird sich nicht mehr in eine Position ohne Verantwortung begeben“, sind sich beide einig. „Das Auf und Ab ähnelt den Erfahrungen aus der Promotion“, so Engel. „Aber es fühlt sich gut und sinnerfüllt an, alles selbst in der Hand zu haben“, ergänzt Schmitt. Ihren – auch politisch-gesellschaftlichen – Mehrwert fasst Engel so zusammen: „Zenules ermöglicht Investments, die sonst nicht passieren würden“.

Autorin: Anja Störiko

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