Von mehr als 120 eingereichten Projekten haben es zwölf Teams unter die Finalist:innen des TU-Ideenwettbewerb geschafft. Die eingereichten Ideen reichen von Roboterarmen zum Selberbauen bis zu Dämmplatten aus Pilzen, von Rettungsdrohnen bis zu künstlicher Haut aus dem 3D-Drucker. Manche Ideen stammen aus Studierendenprojekten, andere aus jahrelanger Forschungsarbeit. Allen gemeinsam ist ein klares Ziel: ein echtes Problem zu lösen.
Die sechs Studierenden- und sechs Wissenschaftler:innen-Teams präsentieren ihre Projekte Ende Oktober beim INNODAY26 auf der Bühne. Sie kämpfen um den Sieg in ihren jeweiligen Kategorien.
Die zwölf Ideen im Überblick
Kategorie Studierende
DARE Robotics. Um eine Maschine wirklich zu verstehen, sollte man sie einmal selbst zusammenbauen. Bei Roboterarmen war das bisher kaum möglich: Industriemodelle kosten oft mehrere zehntausend Euro und Lernende dürfen sie höchstens bedienen, aber nicht öffnen oder verändern. Diese Lücke schließt das Team von Tim Ulrich mit ATHENE, einem Roboterarm zum Selberbauen. Die Teile werden im 3D-Druckverfahren hergestellt und die Baupläne sind frei zugänglich, sodass jede und jeder den Roboterarm nachbauen kann. Eine interaktive Anleitung begleitet jeden Handgriff und erklärt, warum ein bestimmtes Getriebe verbaut wird oder wie Steuerung und Software zusammenspielen.
FungiFoam. Wenn ein Haus gedämmt wird, bedeutet das in den meisten Fällen, dass Styropor verbaut wird. Das aus Erdöl hergestellte Material schützt zwar gut vor Kälte, verrottet aber kaum und wird nach dem Rückbau oft zu Sondermüll. Das Team um Valentin Scheiermann züchtet mit FungiFoam eine Alternative: Dämmplatten aus Pilzgeflecht und aufgewertetem Stroh. Beim Wachsen binden die Platten mehr CO₂, als für ihre Herstellung nötig ist. Sie dämmen gegen Kälte und Lärm und sind von Natur aus feuerfest. Sie sollen nicht mehr kosten als klassisches Styropor, sodass Nachhaltigkeit keinen Aufpreis mehr bedeutet.
MIPsense. Levodopa gehört zu den wirksamsten Medikamenten gegen die motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit. Die richtige Dosis und den richtigen Zeitpunkt zu finden, ist jedoch oft schwierig. Mit fortschreitender Krankheit schwankt die Wirkung von Levodopa. Dann kehren die Symptome phasenweise zurück („Off“-Phasen), oder es treten unwillkürliche Bewegungen auf, sogenannte Dyskinesien. Hier setzen die Studierenden der Forschungsplattform TUcanSense an. Sie entwickeln MIPsense, einen Biosensor, der den Levodopa-Spiegel im Körper kontinuierlich misst. Das Prinzip ähnelt der kontinuierlichen Glukosemessung, die Menschen mit Diabetes laufend über ihren Blutzucker informiert. TUcanSense will den Levodopa-Spiegel in Echtzeit erfassen und so zusätzliche Informationen über die Medikamentenkonzentration liefern. Künftig könnte das helfen, die Parkinson-Therapie individueller auf die Betroffenen abzustimmen.
Modolino. Viele Kinder verbringen ihre Freizeit vor Bildschirmen, anstatt selbst etwas auszuprobieren. Mit einfachen Haushaltsmitteln wie etwa einer Flasche Essig und etwas Backpulver verwandelt Modolino die Küche in ein Labor: Kinder zwischen drei und acht Jahren können so auf einfache Weise naturwissenschaftliche Experimente durchführen. 17 Tiercharaktere begleiten die Kinder dabei und werden von kostenlosen Videos, Anleitungen und Forscherprotokollen unterstützt. Die Idee von Louis Rittersberger und Mateo Brecic nutzt heute bereits eine Community von mehr als 100.000 Familien.
Ahmet Yasin Karahanci. Bei Sucheinsätzen oder Inspektionen in Industrieanlagen müssen Teams häufig durch enge Rohre, Schächte oder einsturzgefährdete Räume vordringen. Dabei kommen auch Drohnen zum Einsatz. Diese haben jedoch ein Problem: Aufgrund ihrer weit ausladenden Rotoren passen sie kaum hinein und gehen beim kleinsten Kontakt mit einer Wand leicht kaputt. Ahmet Yasin Karahanci hat deshalb eine faltbare Drohne mit zwei übereinanderliegenden Rotoren entwickelt. Zusammengeklappt passt sie in einen Rucksack und im Einsatz übersteht sie auch Zusammenstöße in engen Räumen.
Programmed Morphogenetic Assembly. Neue Krebsmedikamente durchlaufen umfangreiche präklinische Tests, bevor sie in klinischen Studien geprüft werden dürfen. Herkömmliche Labormodelle bilden einen echten Tumor aber oft nur unvollständig ab. Denn ein Tumor besteht aus verschiedenen Zelltypen und Bestandteilen seiner Mikroumgebung, die komplex aufgebaut sind und aufeinander einwirken. Mohammad Aman entwickelt deshalb die Methode „Programmed Morphogenetic Assembly“. Damit will er realistischere Tumormodelle für die Krebsforschung schaffen. Er nutzt dafür eine Organ-on-a-Chip-Plattform: Darauf sollen sich verschiedene Zelltypen gezielt zu einer festgelegten, tumorähnlichen Struktur anordnen. Künftig könnten Forschende mit solchen Modellen die Biologie von Tumoren wirklichkeitsnäher untersuchen. Außerdem könnten sie mögliche Therapien testen, bevor diese in klinische Studien gehen.
Kategorie Wissenschaftler:innen
AeroJam. Bei einem Rettungseinsatz zählt jedes Kilo, das die Helfer:innen tragen müssen. Die klassische Vakuummatratze bietet Verletzten zwar einen zuverlässigen Schutz beim Transport, ist aber schwer und nimmt im Rettungswagen viel Platz weg. Hannes Mittwollen und Fritz Walter haben deshalb mit AeroJam eine leichtere Version entwickelt. Anstelle von Granulat verwenden sie aufblasbare Luftkammern, die sich an den Körper anpassen und durch ein Vakuum versteifen. Das spart Gewicht und Platz im Rettungswagen.
Mohamad Mansuri, Aymen Bekri & Fatima Khodarahmi. Wenn nach einem Sturm der Strom ausfällt, erfahren Kommunen oft erst nach Stunden, welche Wasserwerke, Krankenhäuser oder Mobilfunkmasten als Nächstes ausfallen werden. Der Grund: Strom, Wasser und Kommunikation hängen in Städten eng zusammen. Ein einzelner Ausfall reißt oft weitere Netze mit. Bisherige Simulationen benötigen für solche Vorhersagen viele Stunden. Mohamad Mansuri, Aymen Bekri und Fatima Khodarahmi haben deshalb eine KI entwickelt, die echte physikalische Gesetze einbezieht und Ergebnisse in Sekunden liefert. Damit können sich Kommunen, Versorger und Versicherer schneller auf Klima- und Sicherheitsrisiken vorbereiten.
KinetiCAD. In einer Fertigung entsteht nichts, ohne dass zuvor geplant wurde, welche Maschine welches Teil wie herstellt, wie es eingespannt wird, welche Werkzeuge dafür benötigt werden und in welcher Reihenfolge dies geschieht. Das ist bis heute Handarbeit – egal, ob in der Werkstatt mit zehn Mitarbeitern oder im Werk mit zweihundert Maschinen. Die Arbeit fällt sogar zweimal an: einmal, um eine Anfrage zu kalkulieren, und noch einmal, um das Teil tatsächlich zu fertigen.
Yusuf Bera Demirhan, Yaniv Sharon und Scarlett Grimes automatisieren diesen Prozess mit KinetiCAD. Ihre Software liest das 3D-Modell eines Bauteils, plant die komplette Fertigung auf den vorhandenen Maschinen und schreibt die passenden Steuerprogramme inklusive Preiskalkulation. Was bisher Tage dauerte, erledigt sie in Minuten – und das bereits bei der Anfrage, lange bevor ein Auftrag feststeht.
Nuvotis. Bevor ein neues Medikament am Menschen getestet werden darf, muss es seine Wirkung und Sicherheit zunächst an Tieren unter Beweis stellen. Allein in Deutschland waren das im Jahr 2024 rund zwei Millionen Versuchstiere. Das Problem dabei ist, dass sich Ergebnisse aus Tierversuchen nicht immer auf den Menschen übertragen lassen. Deshalb drucken Louise Breideband, Levin Hafa und Francesco Pampaloni von Nuvotis menschliches Gewebe aus lebenden Zellen von beispielsweise Haut, Darm oder Mundschleimhaut. Das gedruckte Gewebe verhält sich wie echtes menschliches Gewebe. Damit lassen sich Wirksamkeit und Verträglichkeit neuer Arzneimittel realitätsnah am menschlichen Gewebe testen, ganz ohne Tierversuche.
PRIB. Für neue Medikamente oder umweltfreundlichere Industrieprozesse werden oft maßgeschneiderte Proteine benötigt, beispielsweise Antikörper oder Enzyme. Doch ein Protein, das am Computer vielversprechend aussieht, scheitert im Labor oft an der echten Physik: Es faltet sich anders als geplant oder bleibt nicht stabil. Bingyi Zhao, Liu Haipei und Xianglong Peng kombinieren deshalb in PRIB drei Ansätze: KI-Vorschläge für neue Proteine, physikalische Gesetze, die deren Stabilität vorhersagen, und echte Laborergebnisse, die ins Modell zurückfließen. So sollen aus digitalen Entwürfen öfter Proteine entstehen, die im echten Leben stabil bleiben und als Grundlage für bessere Medikamente und nachhaltigere Biotechnologie dienen.
Tooliip. Jeder Mensch mit Parkinson erlebt eine eigene Version der unheilbaren Erkrankung und leidet täglich unter dessen Komplexität aus einer Vielzahl an stark belastenden Symptomen. Tooliip ist die Alltagsbegleitung für Erkrankte und pflegende Angehörige, die über den Sprachdialog ganzheitlich und personalisiert entlastet. Die Lösung ist voice-first, mehrsprachig und 24/7 erreichbar über App, Smart Speaker und Telefonnummer. Über Gespräche mit Tooliip werden Nutzer:innen bei der Dokumentation von Symptomen sowie Befindlichkeiten unterstützt. Aus den Angaben erstellt Tooliip Verlaufsberichte und macht Zusammenhänge sichtbar. Künftig wird Tooliip um beispielsweise Sprachbiomarker-Analysen, Erinnerungen und die Gesundheitsnavigation erweitert sowie auf weitere Erkrankungen wie MS und Demenz ausgerollt. Aus familiärer Betroffenheit beginnen wir mit der Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Parkinson.
Wer am Ende gewinnt, entscheidet sich Ende Oktober beim INNODAY26. Dort stehen alle zwölf Teams noch einmal live auf der Bühne.
Redaktion: Heike Jüngst