Success Story

26. Februar 2026

Licht für Gesundheit und gute Laune

Sonnenlicht steuert viele Prozesse in unserem Körper. Um diese positiven Effekte auch im Winter zugänglich zu machen, entwickelt das Start-up akaris eine Maske, die diese Strahlung nachahmt und in kurzer Zeit Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit erhöht sowie bei Schichtarbeit und Jetlag hilft.

Innovative Maske zur Nachahmung von Sonnenlicht und Regulierung körperlicher Prozesse bei Schichtarbeit und Jetlag.

Sonnenlicht steuert viele Prozesse in unserem Körper. Um diese positiven Effekte auch im Winter zugänglich zu machen, entwickelt das Start-up akaris eine Maske, die diese Strahlung nachahmt und in kurzer Zeit Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit erhöht sowie bei Schichtarbeit und Jetlag hilft.

Eine Art Skibrille reicht mir Jens Balasus, einer der beiden Gründer von akaris. Obwohl wir in einem gut beleuchteten Büro sitzen, müssen sich meine Augen erst an das gleißende Tageslicht hinter der Maske gewöhnen. Ein sonniger Himmel wölbt sich über mir – der Effekt ist ähnlich wie mit einer VR-Brille. Dabei geht die Sonne erst auf, zumindest imitiert das die dargebotene Szene in der Brille. Mit der Zeit strahlt ein blauer Sommerhimmel. „Wenn man auf dem Rücken liegt, ist das wie auf der Wiese zu liegen und in die Ferne zu schauen“, erklärt akaris-Gründer Alexander Herzog.

Dieses Wohlbefinden hat einen wissenschaftlichen Hintergrund, erläutern die beiden Gründer: „Wir befassen uns am Fachgebiet für Adaptive Lichttechnische Systeme und Visuelle Verarbeitung auch mit den gesundheitlichen Komponenten von Licht“. Wie alle Lebewesen ist der Mensch stark an einem Tag-Nacht-Rhythmus ausgerichtet, das zeigen Leistungskurven und unser nächtliches Schlafbedürfnis. Steuerelement ist das Tageslicht, das über körpereigene Hormone wie Melatonin und Serotonin unseren Aktivitätsrhythmus über viele biochemische Prozesse im Körper reguliert. „Doch wir halten uns zu 90 Prozent in Innenräumen auf, in denen natürliches Licht unsere innere Uhr kaum steuern kann“, so Herzog.

Die akaris-Gründer Alexaner Herzog und Jens Balasus. ©akaris

Tageslicht für die Gesundheit

Denn selbst moderne Innenraumleuchten strahlen nur Teile des Sonnenlichtspektrums aus, wissen die Lichttechniker. Für eine tageslichtähnliche Beleuchtung bedarf es neben der Kombination vieler bestimmter Wellenlängen auch einer definierten Beleuchtungsstärke, also dem Lichtstrom, der auf eine Fläche einfällt. Das Fachgebiet für Adaptive Lichttechnische Systeme und Visuelle Verarbeitung der TUDa befasst sich schon seit mehr als siebzig Jahren mit interdisziplinären Wirkungen von Licht auf die menschliche Gesundheit, einschließlich schädigender Einflüsse wie durch UV-Strahlung. „Die positiven Effekte von Licht auf unseren Körper merkt man eher langfristig – und sie werden erstaunlich wenig genutzt“, so Herzog. Das zu ändern beschlossen die beiden Wissenschaftler, die am Lehrstuhl an benachbarten Schreibtischen arbeiteten.

Die Idee entstand in der Mittagspause: „Wir hatten LED-Panels mit einem Produktionsfehler, die einen natürlichen Himmelsverlauf wiedergaben“. Das fanden sie ästhetisch ansprechend, sehr natürlich und regte sie zu Überlegungen an, diesen Effekt gezielt einzusetzen. Ausreichendes Tageslicht fehlt uns im Winter, ist aber wichtig, um Schlafstörungen, Müdigkeit, Winterblues zu vermeiden, aber auch die Auswirkungen von Schichtarbeit und Jetlag zu verringern. Zwar gibt es bereits Tageslichtlampen, doch sie werden meist nicht im nötigen sehr nahen Abstand genutzt, erklärt Balasus. Aus ihrem Wissen rund um die LED-Technologie und ihrem wissenschaftlichen Hintergrund zur Wirkung von Licht auf Menschen entwickelten die Beiden die Idee einer „Licht-Maske“. „Wir wollen die positiven Effekte des Lichts einfach zugänglich machen“, so Balasus. Daher auch der Name akaris, abgeleitet vom japanischen „akari“ (明かり) für Licht.

„Gründen wollte ich schon immer“, sagt Herzog. Inspiration fanden sie auf dem INNODAY und ähnlichen Veranstaltungen von HIGHEST. „Wir wollen unsere Erkenntnisse aus der Forschung über innovative Produkte zugänglich machen“. Wer weiß schon, dass schwaches Grünlicht möglicherweise bei Migräne hilft, die Retina bei Rotlicht besser regeneriert und bestimmtes Lichtflimmern Auswirkungen auf Alzheimer haben kann? Die erste Version der Maske fiel noch etwas klobig aus – aber die Testpersonen waren begeistert: „Family and friends waren sofort überzeugt – und auch die Beraterin von HIGHEST wollte die Maske gar nicht mehr absetzen“, erinnert sich Herzog. Eine Viertelstunde täglich oder zwei Mal zehn Minuten geben einen regelrechten Energie-Boost: „Danach bin ich wach und fokussiert“, so Balasus. Herzog ergänzt: „Nachweislich lässt sich damit auch vor Wettkämpfen die Leistung optimieren“.

Entspannung wie im Urlaub

Durch den Eindruck von Horizont und Ferne entspannen die Augen. „Wir simulieren Sonnenauf- und -untergang bis hin zum blauen Himmel“, erklärt Balasus die Änderungen der visuellen Darstellung. Herzog zeichnet eine Skizze der Wellenlängen von klassischen LED-Leuchten, die eine deutliche Lücke im Spektrum haben: „Diese spektrale Lücke wird der inneren Uhr des Menschen im Winter zum Verhängnis“. Dank ihrer Fachkenntnis können sie mit der Maske das Tageslichtspektrum im sichtbaren Bereich exakt abbilden, ohne schädliche UV-Strahlung oder Blaulichtschädigung. Das Folgemodell ist kompakter und von schönerem Design. Seit Anfang des Jahres unterstützt sie die Produktdesignerin Erika Martinez Duque. Denn das nächste Ziel ist die Produktion eines modernen Lifestyle-Wearables.

Zusammen mit HIGHEST reichten sie letztes Jahr einen Antrag auf ein EXIST-Gründungsstipendium ein: mit Erfolg. Seit November 2025 werden ihre drei Stellen nun gefördert; hinzu kommen Sachmittel und Coachings. Vorteil von EXIST ist zudem die vertragliche Bindung an die TU. Der Leiter des Fachgebiets, Professor Tran Quoc Khanh, ermöglicht akaris die Nutzung von Laboren und unterstützt mit Studien. Die Technologie der akaris-Maske haben sie kürzlich zum Patent angemeldet: Die Nutzenden sehen keine einheitlich leuchtende Fläche – „das würde sich anfühlen wie dichter Nebel oder ein Schneesturm, da fehlt die Orientierung “, so Herzog – sondern einen strukturierten „Himmel“ mit Tiefenwirkung. Dafür sorgen speziell angeordnete und ausgewählte Lichtquellen mit entsprechenden Optiken. Bei einer hell-weißen Maske mit gleichmäßigem Hintergrund würden die Augen immer angestrengt einen Anhaltspunkt oder ein Muster suchen.

Ziel ist es nun, den Prototyp weiterzuentwickeln und zu testen. Im Sommer soll das finale Design stehen, dann gilt es die Produktion zu starten, um im nächsten Winter auf den Markt gehen zu können. Derzeit baut das akaris-Team die Produktionskette auf und prüft verschiedene Fertigungsmöglichkeiten im europäischen und internationalen Raum. Am liebsten würden sie in Europa produzieren – „aber wir müssen prüfen, was hier realistisch ist“.

Für Wellness, Sport und Seniorenheime

Großen Bedarf an der Lichtmaske sehen die Gründer im Bereich der Lifestyle-Produkte, gezielt zur Leistungssteigerung, Schlafoptimierung und der Verbesserung von Stimmung und Energie im Winter. Nach Feedback auf den Prototyp steht nun das Marketing im Fokus. Für die Anschlussfinanzierungen prüft akaris derzeit verschiedene Optionen. „Wir wollen davon leben können“, sagen die Erfinder selbstbewusst. Über einen Webshop – mit möglichen Partnern aus Wellness und Sport – soll die Maske an eine breite Zielgruppe gehen. Neben Fitness wird auch der Nutzen für Menschen im Fokus stehen, die beruflich mit wechselnden Tagesrhythmen zurechtkommen müssen. „Und auch Menschen in Seniorenheimen leiden häufig durch zu wenig direktes Tageslicht an Schlaf- und Rhythmusstörungen“, so Balasus. Zukünftig sollen weitere Studien in Zusammenarbeit mit der TUDa neue Anwendungsmöglichkeiten erschließen.

Besondere Nachfrage erwartet akaris von Menschen mit Winterblues, über den bis zu einem Fünftel der Bevölkerung klagt, vor allem in nördlichen Regionen. Eine Expansion in den skandinavischen Raum steht daher auf der Agenda. Die App soll direkt zu Verfügung stehen und visuelle Eindrücke wie „Sonnenaufgang in Ägypten“ oder Atemübungen mit Meditation ermöglichen. „Wir wollen die positiven Seiten des Lichts zugänglich machen“, so Balasus. „Langfristig wollen wir das führende Unternehmen für Licht-Interventionen werden“, beschreibt Herzog ihren großen Traum. Akaris wolle nicht nur Vitaldaten tracken, wie beispielsweise klassische Fitness-Uhren, sondern Schlaf, Leistung und Wohlbefinden gezielt beeinflussen und optimieren.

Als ich nach unserem Gespräch das – gut beleuchtete – Büro verlasse, bringt mich die Wintersonne mit blauem Himmel zum Strahlen: In seiner natürlichen Form funktioniert der Stimmungsaufheller vielversprechend.

Text: Anja Störiko

Fotos: akaris

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